


Es gibt wohl kein Ereignis in der europäischen Geschichte, das tiefere Spuren hinterlassen hat als der Zweite Weltkrieg. Dies betrifft die physischen Auswirkungen, mehr aber noch das kollektive Gedächtnis und die Traumata der Gesellschaften und Individuen, die unter dem Krieg gelitten haben. Von den insgesamt etwa 12 Millionen Menschen, die während des Krieges zur Arbeit in Deutschland zwangsverpflichtet wurden, waren es allein etwa 2,8 Millionen Polen, die nach dem deutschen Überfall im September 1939 auf den Feldern und in den Rüstungsfabriken die deutsche Kriegswirtschaft aufrecht erhielten. Seit 65 Jahren erzählen wir uns in den Familien, in denen die Großeltern in irgendeinen Teil Deutschlands deportiert worden waren, diese Geschichte immer wieder aufs Neue, in unterschiedlichen Variationen.
Die Erinnerung daran ist ein lebendiger Prozess, der wach gehalten werden muss. Jetzt können die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter von einst den jungen Generationen unmittelbar klar machen, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit niemals vergessen werden dürfen. Auch aktuelle Diskussionen zeigen immer wieder, wie schwierig es sein kann, Ursache und Wirkung nicht zu verwechseln und den alten Wunden keine neuen hinzuzufügen. Die Ausstellung „NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum“ hilft dabei, einen sensiblen Umgang miteinander zu finden.
Die Europäische Union wird erst dann zu einer europäischen Gesellschaft werden können, wenn sich dieser bewusste Umgang mit der Geschichte als allgemein anerkannte Grundlage etabliert. Die Zukunft können wir nur gemeinsam meistern, wenn wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Dies schließt überall die Bereitschaft ein, lieb gewonnene Interpretationen aufzugeben und vielleicht unbequeme Wahrheiten zu akzeptieren.
Das Projekt „NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum“ leistet einen unverzichtbaren Beitrag dafür, dass nicht nur Deutsche und Polen ein gegenseitiges Verständnis füreinander entwickeln und dass auf der Basis des Respekts vor den Opfern des Nationalsozialismus ein gemeinsames europäisches Gedächtnis entstehen kann. Wir sind neugierig auf diese sehr wichtige Ausstellung und auch darauf, wie sie vom deutschen Publikum aufgenommen wird. Ich hoffe, dass dieses Projekt ein großer Erfolg wird. Ein Erfolg im Sinne eines aufgeklärten, zukunftsorientierten Europas.
1. Zwangsarbeit
Zwangsarbeit im NS-Staat: Portal des Bundesarchivs und Haftstättenverzeichnis der Stiftung EVZ
Cinematographie des Holocaust: Filmdatenbank des Fritz-Bauer-Instituts, Frankfurt a. M.
Briefe ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener (Kontakte - Kontakty e. V., Berlin)
Zwangsarbeit bei LEMO (Deutsches Historisches Museum, Berlin)
Zwangsarbeit im Rheinland und Westfalen: Ausstellung des Historischen Centrums Hagen
Zwangsarbeit in der Kirche: Projekt des Bistum Limburg
Zwangsarbeit in Niedersachsen: Projekt der Geschichtswerkstätten Duderstadt und Göttingen
Zwangsarbeit in Berlin: Projektdokumentation der Berliner Geschichtswerkstatt
Zwangsarbeit im Rhein-Neckar-Raum: Projekt der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried
Zwangsarbeit in Göttingen: Projekt des Stadtarchivs Göttingen
Zwangsarbeit in Gersthofen: Projekt des Paul-Klee-Gymnasiums Gersthofen
Zwangsarbeit in Hameln: Projekt von Bernhard Gelderblom
Zwangsarbeit in Berlin-Kreuzberg: Online-Dokumentation des Kreuzbergmuseums, Berlin
Französische Zwangsarbeiter: Dokumentation von Helga Bories-Sawala
Zwangsarbeit von Mädchen und Frauen
Entschädigung für NS-Zwangsarbeiter: Online-Dokumentation der Universität Bremen
2. Flick-Konzern
Fall 5. Der Nachfolgeprozess Flick in Nürnberg: Dokumentation der Stadt Nürnberg
Fall 5: Originalaufnahmen aus den Nürnberger Prozessen (Robert H. Jackson Center, New York)
Flick im Dritten Reich: Forschungsprojekt des Instituts für Zeitgeschichte, München-Berlin
Flick im 20. Jahrhundert: Forschungsprojekt der Universität Jena
Die zweite Karriere des Friedrich Flick: Ein Radiofeature von Matthias Fink (Teil 1, Teil 2, Teil 3)
Spurensuche Verbrechen der Wirtschaft 1933-1945: Ein Projekt der VVN/BdA Nordrhein-Westfalen
Braunbuch: Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik Deutschland und in Westberlin (von 1968)