

Die Pilotausstellung mit dem Titel „Städtedreieck unterm Hakenkreuz – NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum” wurde vom 28. Februar bis zum 30. März 2010 in Maxhütte-Haidhof (Oberpfalz) gezeigt - begleitet von mehreren Veranstaltungen eines Rahmenprogramms. Die Bilanz von mehr als 1.700 Ausstellungsbesuchern, deren durchweg positive Einträge ins Gästebuch, das Lob und die Anerkennung aus Historikerkreisen sowie die enorme regionale und überregionale Resonanz bei der medialen Berichterstattung stimmten nicht zuletzt auch Kooperationspartner und Unterstützer dieses Pilotprojekts hochzufrieden.
Einen ausführlichen Bericht über die Pilotausstellung und ihre Begleitveranstaltungen finden Sie hier.
Die Wahl des bayerischen Städtchens Maxhütte-Haidhof als Präsentationsort für die Pilotausstellung erfolgte nicht ohne Grund: Seit Sommer 2009 wird in der Kommune öffentlich über das Verhältnis zu dem Großindustriellen Friedrich Flick diskutiert. Flick, NSDAP-Mitglied und Arisierungs-Profiteur, war seinerzeit Eigentümer des örtlichen Eisenwerks. Während des Zweiten Weltkriegs setzte der Konzernlenker zehntausende Zwangsarbeiter ein und mehrte dadurch seinen Reichtum. 1947 wurde er für den Einsatz von Arbeitssklaven in Nürnberg als NS-Kriegsverbrecher verurteilt. Da Flick aber während der NS-Zeit und nach seiner Haftentlassung der wichtigste Arbeitgeber im so genannten Städtedreieck (Maxhütte-Haidhof, Teublitz, Burglengenfeld) war, wird er dort trotz seiner Taten noch immer von so manchen idealisiert. Initiativen zur Umbenennung der bis heute existierenden Friedrich-Flick-Straßen wurden im Sommer 2009 von den Stadträten abgewiesen. Auch Überlegungen zu kommentierenden Ergänzungen (wie z. B. NS-Kriegsverbrecher, NSDAP-Mitglied...) an den Straßenschildern wurden verworfen. Bis heute wird somit ein verurteilter NS-Kriegsverbrecher in Bayern öffentlich und staatlich geehrt.
All dies deutete darauf hin, dass in dieser Region keine angemessene und nachhaltige Aufklärung über die NS-Zeit stattgefunden hat und auch die aktuellen Forschungsergebnisse zur Person Friedrich Flick hier nicht wahrgenommen wurden. Und dies, obwohl Flick während des Krieges im Eisenwerk in Maxhütte insgesamt 1.400 Zwangsarbeiter beschäftigte. Sie bildeten etwa die Hälfte der Belegschaft. Die Arbeitssklaven wurden zum Teil unter widrigsten Bedingungen in Lagern untergebracht - auch mitten im Ort.
In den letzten 65 Jahren wurde diese Vergangenheit oftmals vergessen, verdrängt oder verschönt. Ebenso die Tatsache, dass im gesamten Landkreis auf den Feldern sowie in Handwerks- und Gewerbebetrieben hunderte aus ihrer Heimat deportierte Ausländer Schwerstarbeit für ihre deutschen Herren verrichten - als Ersatz für die eingezogenen Männer. Ohne die Zwangsarbeiter hätten viele Familien ihre Lebensgrundlagen nicht sichern können. So profitierten letztlich auch "einfache" Bürger von diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Einige setzten sich aber auch für Zwangsarbeiter ein und riskierten dabei viel. Selbst Freundschaften wurden geschlossen, die den Krieg überdauerten.
Durch die Initiative der Projektgruppe konnten all diese Fakten zur NS-Zwangsarbeit im Städtedreieck und im ehemaligen Landkreis Burglengenfeld erstmals zusammengetragen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Dank gilt allen, die bei der Umsetzung der Pilotausstellung geholfen und am Rahmenprogramm mitgewirkt haben! Besonders aber denen vor Ort, die sich mit reichlichen Widerständen lokaler und regionaler Politiker auseinander setzen mussten und immer noch müssen.
Eine Folgeausstellung ist für Ende 2010 in der rund 15 Kilometer vom Städtedreieck entfernten Kreisstadt Schwandorf geplant. Auch hier wird derzeit öffentlich über das Verhältnis zu Friedrich Flick diskutiert. In Schwandorf wurde 1973 die Straße entlang einer Flickschen Gießerei und Munitionsschmiede nach dem Kriegsverbrecher benannt. Diese Straße gibt es bis heute.
Näheres zum Folgeprojekt "Schwandorf und das Städtedreieck unterm Hakenkreuz - NS-Zwangsarbeit im ländlichen Raum" finden Sie hier.